2009 netzwerk junge bechterewler

Jugendseminar der DVMB in Bad Eilsen 2009

Für den 29. und 30. August 2009 hatte das Netzwerk Junge Bechterewler im Landesverband Niedersachen zu einem Wochenendseminar in das Rehazentrum Bad Eilsen (in der Nähe des Weserdurchbruchs der Porta Westfalica gelegen) eingeladen. Besonders erfreulich: das Angebot richtete sich nicht nur an Bechtis, sondern auch an ihre Angehörigen. Daher fragte ich meine Frau, ob sie mitkommen wolle, was diese gerne annahm. Für Nicht-DVMB-Mitglieder lag der Teilnahmepreis zwar etwas höher, aber schlussendlich konnte das Seminar sehr preiswert angeboten werden. Im Grunde ein echtes Schnäppchen, da Unterkunft und Verpflegung im Preis inbegriffen waren.

Die Anreise mit dem Auto war unkompliziert, in den vorher zugeschickten Unterlagen war auch ein Hotelprospekt mit Lageplan enthalten. Samstag früh versammelten wir uns also in der „Alten Schule“, einem schön renovierten alten Fachwerkbau mit gut ausgestatteten Zimmern. Dort begrüßte uns Gerriet Steylaers von den Jungen Bechterewlern, der das Seminar organisiert hatte. Die knapp 20 Teilnehmer waren eine bunten Truppe, von „frisch diagnostiziert“ bis „alte Hasen“ und die meisten waren mit ihrem Partner erschienen. Dann ging es in das nahegelegene Rehazentrum, wo wir den Vormittag mit zwei Vorträgen verbrachten. Der erste hatte das Thema „Schmerzmedikation“ zum Inhalt, bei dem uns ausführlich der aktuelle Erkenntnisstand über verschiedenste Arten der Schmerzmedikation erläutert wurde, insbesondere über den Einsatz von Medikamenten, die ursprünglich für andere Indikationen entwickelt wurden, sich aber als sinnvolle Mittel der Schmerztherapie gezeigt haben. Ich konnte viel Neues aus dem Vortrag mitnehmen; was ich vor allem interessant fand, war die Diskussion mit den anderen Teilnehmern, weil jeder schon verschiedene Erfahrungen mit allen möglichen Arten von Schmerzmedikamenten gesammelt hat und daher Eindrücke aus erster Hand berichtet werden konnten. Der zweite Vortrag beschäftigte sich mit dem Themenkreis „Schwerbehinderung“. Behandelt wurden die Antragstellung für den Schwerbehindertenausweis und die Vor- und Nachteile im Alltag, insbesondere im Berufsleben.
Nach dem Mittagessen stand dann der „handfeste“ Teil des Programms an: das körperliche Training. 
Im Anschluß an die Gymnastik wurde eine Einführungsstunde in Qi Gong erteilt, was für mich neu und lehrreich war.
Der Abend diente dem besseren Kennenlernen der Teilnehmer: nach einem leckeren Abendessen im Hotel ging es in eine Bowlingbahn in der Nähe. Auch für diejenigen unter uns, die zum ersten Mal eine Bowlingkugel in der Hand hielten, eine lustige und unterhaltsame Veranstaltung.

Gerriet und unser Vorsitzender Rüdiger Schmidt 2009

Am Sonntagmorgen wurden wir dann in Bechterew-Patienten und Angehörige aufgeteilt. Für die Bechtis ging es nach draußen zum Nordic Walking. Vom Rehazentrum wurden uns dafür die Walking Stöcke gestellt und wir erhielten eine kompetente Erklärung der richtigen Bewegungstechnik, so daß diese Trainingseinheit auch von absoluten Anfängern problemlos mitgemacht werden konnte. Die Angehörigen trafen sich währenddessen zu einem gemeinsam Gespräch unter Anleitung eines Psychologen. Für chronisch Kranke wie uns Bechtis ist die Bewältigung der Krankheit Alltagsangelegenheit und somit auch in Partnerschaft und Beziehung ständig präsent. Von meiner Frau erhielt ich die Rückmeldung, daß ihr dieser Teil des Seminars besonders gut gefallen hat und für sie vor allem der Austausch mit anderen Bechti-Angehörigen wichtig und hilfreich war. Anschließend wurden die Gruppen getauscht und während unsere Lebensgefährten nordisch um das Rehazentrum stöckelten, fanden sich nun alle Patienten zum gemeinsamen Gespräch ein. Der Austausch über Leben mit der Krankheit, Umgang mit Ängsten und Sorgen und die Bewältigung des inneren Schweinehundes zur konsequenten Durchführung der Bewegungstherapie hat jedenfalls mich wieder erneut motiviert, mich vom Bechterew nicht unterkriegen zu lassen.
Zum Abschluss war der Besuch der Kältekammer vorgesehen; eine Behandlungsform, auf die ich sehr neugierig war, weil ich sie noch nie versucht hatte und von einigen Teilnehmer erfreuliche Berichte über die schmerzlindernde Wirkung gehört hatte. Als zusätzliche Veranstaltung gab es eine Einführung in das Internet-Forum der DVMB, direkt zu erreichen unter www.dvmb-forum.de oder auch über das Portal www.bechterew.de. Wer die schnelle, unkomplizierte und – wenn gewünscht – anonyme  Kommunikation mit anderen Bechtis sucht, der findet hier eine passende Anlaufstelle. Nach einem gemeinsamen Mittagessen trennten sich dann wieder unsere Wege.

Insgesamt war ich mit dem Seminar sehr zufrieden, ich habe einiges Neues erfahren, Altes auffrischen können und gewinnbringende Gespräche mit Leidensgenossen führen können. Wenn sich erneut die Gelegenheit bietet, werden wir gerne erneut an einem Seminar teilnehmen. Vielen Dank an Gerriet Steylaers und allen, die uns dieses Wochenende ermöglicht haben! Allen Bechtis, die es noch nicht getan haben, kann ich nur raten: nutzt diese Angebote des DVMB. Es ist für jede und jeden etwas dabei.

 

Markus Zwinger, Essen