2007 netzwerk junge bechterewler

Jüngere DVMB-Mitglieder trafen sich im Rehazentrum Bad Eilsen

Nach einiger Vorbereitung trafen sich am 01. und 02. Dezember 2007 17 jüngere Mitglieder und deren Partner im Alter von Anfang zwanzig bis Anfang vierzig zum ersten mehrtägigen Seminar der DVMB Landesverband Nieder­sachen e.V.

Nachdem wir uns alle im Hotel „Alte Schule“ in Luhden getroffen hatten, ging es in spontan gebildeten Fahrgemeinschaften zum Tagungsort – der Rehaklinik Bad Eilsen.

Zunächst wurden wir vom Landesvorsitzenden Rüdiger Schmid und mir, der für die Jugendarbeit im LV zuständigen Moderatorin Kathrin Reinsch begrüßt.
Bei einer kurzen Einführungsrunde hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit von ihren Erfahrungen als Betroffener oder Angehöriger zu berichten, es wurden Fragen gesammelt und anschließend ging das Wort an Frau Dr. Inge Ehlebracht-König. Frau Dr. Ehlebracht-König ist als Chefärztin für den internistisch-rheumatologischen Bereich im Rehazentrum Bad Eilsen zuständig und hat zusammen mit ihrem Team den Seminar­ablauf erstellt und ausgearbeitet. In einem sehr informativen Vortrag – in dem sie auch immer wieder auf die Fragen von uns einging – verdeutlichte die Chefärztin die Diagnostik, die unterschiedlichen Beschwerde­bilder und die gängigsten Therapiemöglichkeiten bei Morbus Bechterew und den artverwandten Erkrankungen. Auch wurde verdeutlicht, warum sich besonders die Diagnostik bei Morbus Bechterew in Einzelfällen als schwierig und langwierig gestaltet. Der Vortrag endete mit der Vorstellung der aktuellen Therapien im medikamentösen Bereich und der Wichtigkeit auch selber aktive MB-spezifische Gymnastik durchzuführen, um sich ein Maß an Beweglichkeit zu erhalten. Hierbei unterstrich sie die Wichtigkeit der Selbsthilfe und die Mitgliedschaft in einer Selbsthilfeorganisation wie der DVMB.
Bei einer sich anschließenden Klinikführung stellte Frau Dr. Ehlebracht-König die unter­schiedlichen Bereiche der Rehaklinik vor, außerdem wurde im Ergotherapiebereich die Frage geklärt, ob männliche Patienten Hausarbeit verrichten dürfen – eindeutige Antwort: SIE DÜRFEN!

Besonders Mutige konnten auch die - 110°C „kalte“ Kältekammer ausprobieren. Ganz schön kalt, muss man sagen (Betonung auf schön). Bei einer regelmäßigen Nutzung einer solchen Kältekammer kann es nachweislich zu einer Reduzierung von Entzündungen und Schmerzen kommen und dadurch bedingt zu einer Verringerung des Schmerzmittelkonsums; um so unverständlicher ist die Haltung von Krankenkasse diese Therapiemöglichkeit nur für stationäre Patienten oder im Wege von Einzelfallentscheidungen zu bezahlen.

Im nächsten Programmpunkt ging es um die Möglichkeit durch eine evtl. Ernäh­rungs­umstellung/-anpassung den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Die Diätassistentin Frau Sander stellte uns einen möglichen Mitverursacher von Ent­zündung vor: die „Arachidonsäure“, aber auch deren positiver Gegenspieler die „Omega 3-Fettsäure“. So konnten in mehreren Studien nachgewiesen werden, dass ein hoher Konsum von tierischen Fetten (hier besonders Schweinefleisch)die Entstehung und/oder Aufrechterhaltung von Ent­zündungen begünstigen kann. Im Gegensatz dazu kann bei einem höheren Verzehr von Lebensmitteln mit einem hohen Anteil der Omega 3-Fettsäure (z.B. fetter Seefisch) solche Entzündungsaktivitäten eingedämmt werden.
Die im theoretischen Teil vermittelten Erfahrungen konnten anschließend sofort in die Praxis umgesetzt werden. In der sehr gut ausgerüsteten Lehrküche der Klinik wurde ein sehr abwechslungsreiches Menü aus verschiedenen Wraps, Salaten, einem Obstsalat, einem alkoholfreien Cocktail und selber fabrizierten Müsliriegeln hergestellt und gemeinschaftlich verspeist. Der Abend endete mit einem lockeren Erfahrungsaustausch in einem Lokal in Bad Eilsen.

Bereits um 9:00 Uhr ging es am nächsten Morgen weiter: beginnend mit einer speziellen MB-Gymnastik konnte das üppige Frühstück teilweise wieder abtrainiert werden. Dabei ging die Therapeutin Frau Krone auch auf die besondere Wichtigkeit von Atemgymnastik und speziellen Bewegungsabläufen ein.
Anschließend wurde in einem kurzen theoretischen Abriss auf die Vorteile der geräteunterstützten medizinischen Trainingstherapie (MTT) und die Notwendigkeit auch die Ausdauer zu trainieren eingegangen. Anschließend hatten wir fast 2 Stunden Zeit unterschiedliche MTT-Geräte und die Kletterwand unter fachkundiger Anleitung von Sporttherapeuten auszuprobieren.

Nach einem gemeinsam eingenommenen Mittagessen klang das sehr informative Seminar am frühen Nachmittag aus. Dabei wurde der Wunsch vor allem von den mitgereisten Angehörigen geäußert, dass im nächsten Jahr ein Seminar wieder mit Partner angeboten wird, bei dem aber den Angehörigen extra Raum zum Erfahrungsaustausch geboten wird.

Ein besonderer Dank für die tatkräftige Unterstützung und Planung dieses Seminars geht an Frau Dr. Ehlebracht-König und ihrem Team, ohne die dieses Wochenende so nicht möglich gewesen wäre.

Kathrin Reinsch